An mir selbst ist die DSDS-Staffel 2008 absolut vorbei gegangen. Aus unerfindlichen Gründen muss ich zu dieser Zeit meinen Fernsehkonsum stark eingeschränkt haben. Wenn ich aber Castingshow-kundigen Freunden erzählt habe, dass ich (mit meiner 12jährigen Nichte) die CD-Release-Party von Linda Teodosiu besuchen werde, war der Tenor grundsätzlich gleich: "Die hätte eigentlich gewinnen müssen." Es war wohl ihr Pech, dass mit Thomas Godoj und Fady Maalouf gleich zwei smarte Jungs um die Gunst des Teeniepublikums buhlten. Welcher Vater kann schon widerstehen, wenn die Tochter bettelt: "Papi, darf ich fünfzig Mal für Fady anrufen? Der ist sooo süß. "
Der Release von "Under Pressure" wurde um eine Woche vorgezogen, aber das Datum für die Party blieb. Aber was um Himmels Willen verschlägt die Kölnerin eigentlich nach Eppelborn – ins Saarland? Gute Frage, die sich mir auch am Konzertabend nicht erschloss. Zumindest hat das "Big Eppel" neben dem originellen Namen auch ein sehr ansprechendes Ambiente zu bieten. Zwar verirrten sich nur gut 200 Zuschauer in die große Halle, doch die Stimmung war von Beginn an sehr gut. Größtes Problem: Teenies sehen im Fernsehen Musiksendungen und werden durch The Dome davon überzeugt, dass man hysterisch loskreischen muss, wenn ein mutmaßlicher Star die Bühne betritt. Die kleine Tamara (den Namen hat Linda freundlicherweise fürs Publikum erfragt) ist bei den ganz Großen in die Lehre gegangen und stößt Schreie aus, die selbst gestandenen Männern durch Mark und Bein gehen. Und das schon beim Support Act...
Als Opener darf Tobias Rößler ran, der 2009 in der DSDS-Top-15-Show ausschied. Furchtlos betritt er nur mit einer Gitarre bewaffnet die Bühne und legt mit Oasis‘ "Wonderwall" los. Beeindruckend, was der Gute stimmlich zu bieten hat und wie präsent er auf der Bühne ist. Der Kontakt zum Publikum ist überaus sympathisch. Tobias macht Werbung für Eppelborn, reagiert etwas hilflos auf die schreienden Mädels und erzählt kleine Anekdoten zu den Songs (hauptsächlich Cover und 2-3 eigene Stücke). Dreißig Minuten, die wie im Flug vergehen. Der zweite Teil wird zäher: Die Tanzgruppe Divanity aus Wadern versucht sich im coolen Synchron-Tanz. Sehr bemüht und ohne Esprit. Da hätten mir ein paar Songs vom Band zu der Zeit mehr Freude bereitet.
Linda Teodosiu erscheint von einer 8köpfigen Band (inklusive zweier Backgroundsängerinnen) begleitet auf der Bühne. Es ist schon von Vorteil, wenn der Vater (Flavius Teodosiu) selbst ein begnadeter Musiker ist. Der Mann hat die Band gut im Griff und übernimmt entweder mit seinem Saxofon die Melodieführung oder stellt sich wie ein Dirigent vor die Mitmusiker. Im Mittelpunkt steht aber vom ersten Ton an Linda, die wie ein Wirbelwind die Bühne erobert. Positiv fällt das natürliche Erscheinungsbild auf. Da ist nichts übrig von dem poserhaften Getue der Promofotos. Linda kommt als Sängerin mit Ecken und Kanten auf die Bühne und ist als ruheloses Energiebündel direkt mitten im Geschehen.
Der knapp 70minütige Set startet mit "Under Pressure". Die stimmliche Präsenz von Linda ist unglaublich. Sie erreicht höchste Höhen und bewältigt schwierigste Tonfolgen mit einer Leichtigkeit, bei der einige Möchtegern-Stars neidisch werden dürften. Dabei bleibt sie bodenständig und absolut sympathisch. Weiter geht es mit "Love Is Like A Drug". Die Songs des eigenen Albums haben Dancefloor-Charakter mit Popbeats und leicht elektronischem Einschlag. Darunter fallen auch das von Soul und Funk geprägte "Surprise, Surprise" oder das lateinamerikanisch angehauchte "Mi Chica". Dazwischen mogelt sich mit "Mercy" der Duffy-Klassiker schlechthin, den Linda perfekt interpretiert. Zu meiner besonderen Freude gibt es die aktuelle Single "Reprogram My Heart" in der bezaubernden Candlelight Version. Erst bei den Balladen kommt die Ausnahmestimme voll zum Einsatz – so auch später bei "I Run".
Zwischendurch erlaubt sich Linda einen Spaß und demonstriert anhand der vier Akkorde von Jacksons "Man In The Mirror", welche weltbekannten Pophits sich hier in einer Endlosschleife singen lassen. Weiter geht es mit David Guettas Smashhit "When Love Takes Over" und etwas später mit dem Rock-Evergreen "I Love Rock’n‘Roll". Jeder Song gewinnt durch Lindas Interpretation. Selbst der Beatles-Klasiker "With A Little Help From My Friends", vorgetragen in einer sehr souligen und atmosphärischen Version. Linda versteht es, diesem von einer Legion zweitklassiger Coverbands abgenudelten Song eine persönliche Note und neuen Glanz zu verleihen. Die Energie, die sie dabei an den Tag legt, ist schon bemerkenswert. Ansonsten gehört der Schlusspart aber den Singlehits "Love Sux" und "Reprogram My Heart" in der bekannten Version.
Alles in allem: Ein kurzweiliger Konzertabend mit einer bestens aufgelegten Linda, die aufgrund ihrer jugendlichen Frische stark an Miley Cyrus erinnert (absolut im positiven Sinn). Der Stilmix darf in Zukunft gerne noch gewagter ausfallen – denn man merkt mit "Mercy" und den Balladen, was die Gute alles so drauf hat. Ich drücke ihr die Daumen, dass sie den Durchbruch schafft. Das Potential ist allemal vorhanden.







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Sascha, m(37)
am 29.09.2009
Ich bin auch der gleichen Meinung, dass Linda hätte die Staffel gewinnen müssen, weil sie eine super Stimme hat. Ich wünsche ihr den Durchbruch und dass sie sich länger im Showbiz halten kann, als Thomas Godoj. Nach ihrem Auftritt in Düsseldorf (Autogrammstunde) und nach dem googlen einiger Auftritte und Videos von ihr bin ich ein überzeugter Fan von Linda geworden...natürlich kaufe ich mir morgen ihr Debütalbum :-)
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